
„Wer die Vergangenheit vergisst, ist verdammt, sie zu wiederholen“ (George Santayana). Die Erinnerungskultur ist Basis für die Gestaltung einer friedvollen Zukunft. Dazu gehört auch, das Wissen um den Antisemitismus der Nazi-Zeit wachzuhalten und in ein „Nie wieder ist heute“ zu transformieren. Ebenso ist es ein wichtiges Anliegen, die jüdische Geschichte in der Region aufzuarbeiten – unter anderem auch als Projekt mit Schulen.
Studie: „Antisemitismus im Kontext Schule“

Antisemitische Einstellungen sind in unserer Gesellschaft tief verankert. Dies äußert sich nicht nur in offener Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden, sondern insbesondere auch in diffusen Ressentiments und Vorbehalten. Auch an Schulen kommt es immer wieder zu Vorfällen mit antisemitischem Hintergrund.
Wie Lehrkräfte und Schulleitungen mit Antisemitismus im schulischen Kontext umgehen, ist bislang wenig erforscht. Einen Beitrag dazu, diese Leerstelle zu füllen, leistet eine 2020 veröffentlichte Studie des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland. Sie befasst sich damit, wie Antisemitismus an Schulen von Lehrerinnen und Lehrern sowie den Schulleitungen wahrgenommen, eingeordnet und bearbeitet wird. Im Rahmen von Einzelinterviews und Gruppendiskussionen hat die Studie Erkenntnisse zu folgenden Forschungsfragen gewonnen: Welchen Umgang mit antisemitischen Phänomenen praktizieren Lehrkräfte?
- Welches Verständnis von Antisemitismus liegt ihrem jeweiligen Handeln zugrunde?
- Welche Bedarfe formulieren Lehrkräfte explizit, welche lassen sich aus ihren Darstellungen ableiten?
- Welche Praktiken und Interventionsansätze sind an Schulen etabliert und welche möglichen Ansatzpunkte zur Verbesserung der Situation werden deutlich?
Erinnerungskultur Geschichte und Erinnerung
Verdrängen, vergessen, verschweigen – die deutsche Erinnerung an Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg hat selbst eine Geschichte. Eine intensive Auseinandersetzung und Aufarbeitung setzte erst zögerlich ein, das Thema wurde zunächst weitgehend totgeschwiegen in der Bundesrepublik, während die DDR als „per se antifaschistischer Staat“ jede Verantwortung für die NS-Verbrechen ablehnte. In den vergangenen Jahrzehnten wandelte sich die Erinnerungskultur, die Verantwortung, die sich aus der Vergangenheit ableitet, ist mittlerweile Teil der deutschen „Staatsräson“. Mit dem Untergang des SED-Regimes rückten auch neue Themen in den Fokus, beeinflusst durch die Rolle der Massenmedien. Wie steht es um die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit und welche Rolle spielt die Vergangenheit in der Gegenwart? (Beiträge der Bundeszentrale für politische Bildung)